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Die Reiter von Gafertschinken |
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Im Simmental, nicht allzu weit vom vieh- und weidenreichen Dorfe Erlenbach, liegt an der Berghalde in Dorn und Gestrüpp verborgen zerfallenes Gemäuer. Es ist das letzte Wahrzeichen, welches davon zeugt, dass hier einst die Burg der Herren von Gafertschinken gestanden hat. Keinen Namen ihres Geschlechts nennt die Geschichte. Dennoch halten diese alten Talherren noch heute das Land in Schrecken. Wenn an den Bergen sich dräuend Gewölk sammelt und unten im Tal an den Hecken die schwarzen Schnecken erscheinen, wenn gegen die Nacht hin das Hauri seine Klagelaute durchs Tal erschallen lässt, dann flüchte unter das sichere Dach, wer draussen im Freien ist! Selbst das Vieh wird unruhig und rennt wie rasend der sicheren Behausung zu. „Die Tschinggenreiter kommen", heisst es dann. Um Mitternacht sieht man über den Felsen hoch zu Ross einen Ritter im feuerroten Mantel erscheinen. Hastig nimmt er von seiner Hütte ein gewaltiges Horn und bläst dreimal darein. Darauf erhebt sich ein Mark und Bein durchdringendes Geschrei. Der Sturmwind braust daher und weht selbst die stämmigsten Tannen nieder, Marchsteine fliegen in der Luft herum, in den Felsen kracht und poltert’s so fürchterlich, als tobe die blutigste Schlacht. Jetzt setzt sich ein gespensterhafter Zug in Bewegung, voran der rote Reiter mit glühendroten Augen. Der unheimliche Tross zieht unter dem Geheul der Lüfte zum höchsten Zahn des Gebirges. Beim Rosengarten hält er. Jetzt beginnt ein wahrer Höllenlärm. Die nächtlichen Reiter dringen mit Speer und Spiess auf die Felsen ein, brechen grosse Klötze daraus und werfen sie mit furchtbarer Wucht durch die Rinnen des Gebirges in das Tal hinab. Wenn während dieses schrecklichen Getöses ein Blitz plötzlich die Gegend erhellt, sieht man im Scheine da und dort die Trabanten der Reiter warten. Erst wenn der Morgen ins Tal zieht, verschwindet der grausige Zug. Im Dämmerlichte kann man noch die letzte der Spukgestalten entfliehen sehen, einen schwarzen Rappen und auf demselben hochflatternd ein Mantel, von welchem nicht zu sagen ist, ob er einen der Ritter umhüllt. |
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Verbindungswege über die Alpen |
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Immer wieder wird in Sagen über grosse Siedlungen berichtet, ob die Überlieferungen auf keltische Besiedelung zurückgehen wissen wir nicht. Doch können die Überlieferungen ein weiterer Hinwies sein, dass das geschützte Tal eine für Viehzucht und urbane Siedlungen günstige Landschaft war, früh besiedelt wurde und als Durchgang von Norden nach Süden und von Osten nach Westen diente, was Verschiedene archäologische Funde heute bestätigen.
Im bernischen Simmental, in jener Gegend, wo jetzt Weissenburg, Oberwil und andere kleine Ortschaften liegen, soll in ganz alten Zeiten eine grosse und reiche Stadt gestanden haben. Dorthin kam eines späten Abends ein zerlumptes Männlein und flehte von Haus zu Haus um eine milde Gabe. Überall traf es aber auf Gleichgültigkeit oder kalten Hohn, nur in einer schlechten Hütte, etwas ausserhalb der mächtigen Stadt, war ein armer Greis mit seiner Tochter ohne viel Federlesens bereit, mit dem seltsamen Bettler sein karges Mahl zu teilen. Doch, das Männlein packte sofort eine Hacke und begann mit viel Eifer und Fleiss einen Graben um das Hüttlein seiner Wohltäter aufzuwerfen. Mit duldsamem Lächeln betrachteten Greis und Tochter das närrische Treiben des verhudelten Zwergleins. Aber kaum war dieses mit seiner Arbeit fertig, da ertönte von den Bergen her ein Tosen und Donnern. Erde und Felsen stürzten wie ein schwarzes Meer über die geizige Stadt; sie begruben all ihren Reichtum und all ihre hartherzigen Bürger. Nur das gastliche Hüttlein der beiden freundlichen Menschen wurde dank seinem schützenden Graben von dem allgemeinen Verderben und Strafgericht verschont. |
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Die Unkührschlacht im Steiniwald |
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Im steilen, finstern Steiniwald hinter Mosenried , bei Zweisimmen begegneten sich einmal in stockfinsterer Nacht zwei Ungeheuer (Unkühr), von denen keines dem andern ausweichen wollte. Es kam zu einer Schlägerei. Als das Stärkere das Schwächere durchgeprügelt hatte, rief es: „Du Wust, wenn du nit usstelle tust, so musst!" und stellte es zur Seite und fragte dann noch: „Wie heissest du?" „Sälbertha", tönte es zurück. „Ja, ja, sälbertha, sälber ha, hätt mer`s öper anders ta, so müsste sie das Läbe la!" erwiderte das stärkere und beide gingen auseinander, niemand wusste wohin. |
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